Die Welle der Remakes von erfolgreichen asiatischen Filmen nimmt kein Ende. Nach The Ring, The Grudge und The Eye ließ ein Remake des koreanisches Meisterwerkes und Genreklassikers |’A Tale of Two Sisters|’, der in Ostasien nicht unberechtigterweise Filmgeschichte schrieb, nicht lange auf sich warten.
Gleich zu Beginn: Ich kenne das koreanische Original sehr gut und ich finde jeder, der eben dieses gesehen hat, sollte dem Remake kaum etwas abgewinnen können. Warum? Das ist der Kernpunkt meiner Rezension. Wer den Film noch nicht gesehen hat oder vielleicht doch noch vom Original überrascht werden will, der eigentliche große Twist kommt nämlich im Remake gar nicht vor, sollte also bitte nicht weiterlesen.
Als ich |"Der Fluch der zwei Schwestern|" sah, wusste ich ja grundlegend auf was er hinauslaufen würde. Der Hauptcharakter leidet an Schizophrenie, ihre Schwester ist eigentlich schon länger tot. Das Remake legt die Hauptauflösung eben darauf. Dass die Schwester tot ist, erfährt man in im Original allerdings bereits kurz nach der Hälfte. Das Remake verschwimmt dagegen zu einem 0815-Hollywood-Schizo-Fi lm, der Twist ist kaum anders als in |’Hide and Seek|’, |’Fight Club|’ oder |’Das geheime Fenster|’. Wo das Original noch über eine halbe Stunde große Filmkunst präsentiert, hört das Remake einfach auf. Mir war von Anfang an klar, dass er vom erzählerischen Niveau einfacher dargestellt würde und es auch Abstriche in Bezug auf Anspruch gäbe, das war in The Grudge oder dem kläglichen Remake Mirrors, das Original ebenfalls aus Korea, nicht anders. Das Problem hier aber ist, dass die Macher von |"Der Fluch der zwei Schwestern|" versuchen einen derart komplexen, atmosphärischen, kunstvollen und vielschichtigen Film in ein übliches Hollywood-Teenie-Horrorm uster zu pressen. Ein Versuch, der aber einfach nicht funktionieren kann. Sämtliche brillanten Szenen aus dem Original sind verschwunden. Kenner des Originals werden sofort die großartigen Essens-Szenen vermissen. Die Protagonistinnen laufen größtenteils in Bikinis herum, soll das diesen üblen Streifen sehenswerter machen? Dazu kommt ein durchtrainierter junger Kerl, der auch nur mit nacktem Oberkörper rumläuft, aber, da er wohl doch nicht in das Konzept des Filmes passt, auch relativ schnell den Löffel abgeben muss. Naja wenigstens hatte auch das jugendliche weibliche (heterosexuelle) Publikum kurzzeitig etwas zu sehen. Im Original wird niemand ermordet, die atmosphärische und psychologische Spannung, die hier erzeugt wird, genügt über zwei Stunden, das Remake dagegen muss seine Protagonistin sowohl ihren Schwarm, als auch die scheinbar böse Stiefmutter ermorden lassen, bevor sie die schreckliche Wahrheit erkennt. Dass eben diese Stiefmutter (Achtung, Original-Spoiler) eigentlich die ganze Zeit überhaupt nicht zu gegen war, da sie eigentlich ebenfalls nur eine Persönlichkeit der Hauptperson ist, lässt das Remake außen vor. Zugegeben, das Original bewegt sich über verschiedene Zeitstufen, komplizierte Erzählstrukturen, viel Symbolsprache usw. Beim ersten Mal wird kaum einer das Werk in seiner Gänze greifen können, aber was das Remake verändert, lässt von der Kernaussage und der Brillanz des Originals gar nichts mehr übrig. Weder die Atmosphäre, noch die Charakterentwicklung, weder den Twist, noch die subtile Symbolsprache, nichts kann das Remake in irgendeiner Form wiedergeben. Was ich dagegen wieder einmal interessant fand, war die starke Aufmerksamkeit, die im Remake dem Geister-Subplot entgegenkommt. Dieser findet, zumindest im Remake, mit der Schlussszene eine scheinbare Auflösung, wobei diese frei erfunden ist. Im Original ist dieser Subplot nur schwach angedeutet und gerade dies lässt großen Raum zur eigenen Interpretation und verleiht dem Werk noch seinen letzten Schliff. Ein weiterer Punkt, wo die Macher von |"Der Fluch der zwei Schwestern|" sich wohl lieber dazu entschlossen, jeglichen intellektuellen Anspruch aus ihrer Kopie zu verbannen, damit sie auch bloß einfach, verständlich und anschaulich bleibt und man auch bloß nicht etwas derartiges wie „Niveau“ findet. Und all das sehr zum Leidtragen der großartigen Vorlage.
Wenn man das Original jetzt aber nicht kennt, finde ich, auch dann ist der Film sehr fragwürdig. Die Handlung wirkt sehr aufgebauscht und die üblichen Hollywood-Muster, die ich oben schon angesprochen hatte, sind hier so deutlich sichtbar wie lange in keinem Thriller mehr. Das Finale läuft mit viel Blut ab und die Auflösung mit einer riesigen Explosion, schon im Trailer merkt man also, dass |’Der Fluch der zwei Schwestern|’ nicht gerade ein Film für eine intellektuelle Zielgruppe ist. Kurzweilig, anspruchslos, einfach, ungruselig, ein Muster wie es schon hunderte Male vorher gesehen wurde. Noch schleierhafter bleibt aber der deutsche Titel, denn wo überhaupt ist in diesem Film irgendein Fluch?
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