Ein Kostümfilm mit guten Schauspielern. Irgendwann etwas befremdlich, als der junge Bassanio seine Hand auf das Kästchen aus Blei legt, weil Gold und Silber eh bloß schnöder Schein der äußeren welt sind, sein Arm gleichzeitig aber von feinstem Damast umhüllt wird und der ganze Held ( wie auch die restliche Hofgesellschaft) im aufwendigsten Putz steckt, den man sich nur vorstellen kann! Nun gut, mit Ausstattung schafft man Atmosphäre, hier bewegen sich schöne Menschen in schönem Ambiente.
Al Pacino ist ein überzeugender Shylock, Irons, Fiennes, Frau Collins machen ihre Sache gut. Die Sprache kommt vor allem in der ersten Hälfte sehr gut, man sieht in die Personen hinein, folgt der Befindlichkeit und sieht die tiefe Kränkung Shylocks.
Von den ersten Monologen an aber werden sie hilfloser, mit Herannahen der Gerichtsszene ereilt den Film dann das selbe Schicksal wie die meisten |"Kaufmann|"-Inszenierun gen: die Figuren haben sich in den Dienst eines rabulistischen Falles zu stellen, Beweggründe sind längst abgestanden, die Dramaturgie widmet sich der Denksportaufgabe, wie denn nun ein Pfund Fleisch aus dem (nicht gerade fetten) Leib des Herrn Irons zu tranchieren sei, ohne Blut zu vergießen. Aufgepäppelt wird das Ganze mit Ermahnungen zur Barmherzigkeit (=eine christliche Errungenschaft?) und zwei Hosenrollen: die |"kluge|" Porzia und ihre Dienerin führen unerkannt (trotz unverstellter Stimme) dieses salomonische Patt durch Einführung einer dritten Größe herbei.
Am Schluß galantes Amusement der Festgesellschaft über schlaue Frauen und untreue Männer.
Shylock darf nochmal im Gegenlicht auftreten. Man weiß, er musste zum Christentum konvertieren. Doch der Film - wie das Stück - haben seinen Fall längst verlassen, seine Brisanz weder individualpsychologisch noch gesellschaftlich fühlbar gemacht. Aber dazu hätte der Film Größeres vollbringen müssen als sein Vorbild Shakespeare - der ist auch bereits bei der Party in Belmont angekommen, um das Stück fröhlich ausklingen zu lassen |